
Wedel/Holstein 1870
- Rostock 1938
Der norddeutsche Bildhauer und Grafiker Ernst Barlach beginnt seine Ausbildung in Hamburg. 1888 besucht Barlach die Gewerbeschule. 1891 geht der Künstler an die Dresdner Akademie, wo er seine Studien im Fach Bildhauerei fortsetzt und Meisterschüler von Robert Diez wird. Durch zwei Studienaufenthalte in Paris 1895 und 1897, wird Barlachs gründliche akademische Ausbildung weiter gefestigt. Sein künstlerisches Schaffen beeinflusst eine 1906 unternommene Russlandreise nachhaltig. Die Eindrücke des urwüchsigen Bauerntums und der russischen Volkskunst schlagen sich fortan in der kraftvollen und volksnahen Gestaltungsweise barlachscher Skulpturen nieder. Grafische Illustrationszyklen zu eigenen Dramen entstehen daneben in diesen Jahren. Ernst Barlach lässt sich 1910 in Güstrow (Mecklenburg) nieder. Bei Paul Cassirer in Berlin findet 1917 Barlachs erste Ausstellung statt. 1919 wird der Bildhauer als Ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Künste zu Berlin aufgenommen. In den folgenden Jahren entstehen zahlreiche Holzschnitte, u.a. zu Goethes "Walpurgisnacht". Barlachs Autobiografie "Ein selbsterzähltes Leben" erscheint 1928. 1930 ist eine umfangreiche Ausstellung von Barlachs plastischen und grafischen Arbeiten in der Preußischen Akademie der Künste in Berlin zu sehen. Der Orden Pour le mérité wird dem Künstler 1933 verliehen. Im Auftrag von Hermann F. Reemtsma vollendet Barlach noch 1935 den "Fries der Lauschenden" und entwirft ein Grabmal für Theodor Däubler. Von den Nationalsozialisten wird der Bildhauer in den kommenden Jahren verfemt. 1936 werden Barlachs Werke aus Museen, Kirchen und von öffentlichen Plätzen systematisch entfernt. Ernst Barlach gilt heute als einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Hervorragende Beispiele seiner expressionistischen Holz- und Bronzefiguren sind im Güstrower Dom, in der Marburger Elisabethkirche und in der Nationalgalerie Berlin zu sehen. Ernst Barlachs Wohn- und Atelierhaus in Güstrow ist heute als Museum zugänglich.